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Las Canciones
Kammeroper nach Johannes vom Kreuz
Musik von Andreas Daams
Eine Produktion des MusikTheaterKöln
Regie: Ursula Albrecht

Text von Johannes vom Kreuz
übersetzt von Elisabeth Hense

Der geistliche Gesang gehört neben dem Aufstieg zum Berge Karmel, der Dunklen Nacht und der Lebendigen Flamme der Liebe zu den vier größten Schriften des bedeutenden spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz. Mit diesem Gedicht, das zum größten Teil 1578 im Gefängnis von Toledo entstand, setzte die literarische Tätigkeit des spanischen Karmeliten ein. Beeinflußt von profanen Liebesliedern, aber vor allem vom Hohenlied des Alten Testaments, besingt Johannes vom Kreuz die Liebesbeziehung der Seele (Braut) mit dem Sohn Gottes (Bräutigam) als höchstem Glück, zu dem der Mensch fähig ist.

Johannes vom Kreuz (eigentlich Juan de Yepes y Alvarez), spanischer Mystiker und Schriftsteller, geboren 1542, gestorben 1591, Erneuerer des Ordens der Karmeliter.


Textausschnitte

Wo hast Du Dich verborgen,
Geliebter, und ließest mich mit Seufzen?
Wie ein Hirsch entflohst du,
hattest mich verwundet;
ich ging hinaus und schrie nach dir, doch du warst fort.

Ach, wer wird mich heilen können?
Gib dich nun endlich wirklich hin;
sende mir von jetzt an keine weiteren Boten,
die mir doch nicht sagen können, wonach ich verlange.

Und alle auf freier Bahn
erzählen mir tausend Liebreize von dir,
und alle verwunden mich noch mehr,
und sterbend läßt mich zurück
ein "Ich-weiß-nicht-was", das sie ständig stammeln.

Doch wie harrst du aus,
o Leben! nicht lebend, wo du lebst,
und machst, um zu sterben,
die Pfeile, die dich treffen,
von dem, was du vom Geliebten in dir empfängst?

Unser Bett mit Blüten bedeckt,
von Löwenhöhlen umgeben,
mit Purpur umspannt,
aus Frieden aufgebaut,
mit tausend Schilden aus Gold bekrönt.

Nur mit jenem Haar,
das du an meinem Hals fliegen glaubtest;
an meinem Hals blicktest du es an,
und in ihm gefangen bliebst du,
und an einem meiner Augen hast du dich verwundet.

Halte ein, toter Nordwind,
komm, Südwind, der Liebesverlangen wachruft,
hauche durch meinen Garten;
und seine Düfte mögen strömen,
und weiden wird der Geliebte zwischen den Blumen.

Genießen wir uns, Geliebter,
und machen wir uns auf, uns in deiner Schönheit zu sehen
auf dem Berg oder der Anhöhe,
wo das klare Wasser entspringt;
gehen wir tiefer in das Dickicht.

 

 

 

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